Digitalisierung Handwerksbetriebe: Wie steht das Handwerk 2026 in Zahlen da?
Das deutsche Handwerk umfasst nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) 1.038.126 eingetragene Betriebe (Bestand 31.12.2025). Bei der Digitalisierung liegt es zurück: Bitkom ermittelte im Sommer 2025, dass erst 4 Prozent der Handwerksbetriebe künstliche Intelligenz einsetzen. Gleichzeitig fehlen laut KOFA rechnerisch knapp 100.000 Fachkräfte in Handwerksberufen, und Inhaber verbringen viel Zeit mit Bürokratie. Diese Seite ordnet die Zahlen ein und nennt jeweils Quelle, Stand und Grenzen.
Stand: 06.10.2026
Wie groß ist das Handwerk in Deutschland 2026?
Das Handwerk besteht aus gut einer Million Betrieben mit rund sechs Millionen Beschäftigungsverhältnissen. Der ZDH weist für den 31.12.2025 einen Betriebsbestand von 1.038.126 aus (ZDH, Stand Juni 2026), darunter 641.462 zulassungspflichtige Betriebe (Anlage A), 286.223 zulassungsfreie (Anlage B1) und 110.224 handwerksähnliche (Anlage B2). Der Umsatz lag 2025 bei geschätzten 783,2 Milliarden Euro (ZDH, ohne Mehrwertsteuer, nominal), die Beschäftigungsverhältnisse bei 6.237 Tausend (ZDH, 2025, geschätzt).
Drei Grenzen gehören dazu. Erstens zählt der Bestand alle in den Handwerkskammerverzeichnissen eingetragenen Betriebe, auch Kleinst- und Nebenbetriebe; er sagt nichts darüber, wie viele davon hauptberuflich aktiv sind. Zweitens sind Umsatz und Beschäftigte für 2025 fortgeschrieben und geschätzt, auf Basis der Handwerkszählung 2024 des Statistischen Bundesamts. Drittens stellen die statistischen Ämter seit dem Berichtsjahr 2024 von einer Personen- auf eine Jobzählung um; wer mehrere Beschäftigungsverhältnisse hat, wird mehrfach gezählt. Zeitreihen vor und nach 2024 sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.
Wie viele Handwerksbetriebe nutzen KI: 4 oder 13 Prozent?
Beide Zahlen stammen aus derselben Erhebung und messen Unterschiedliches. Bitkom Research befragte laut Bitkom (Pressemitteilung vom 28.08.2025) 504 Handwerksunternehmen ab einem Beschäftigten telefonisch, repräsentativ, in den Kalenderwochen 23 bis 29 des Jahres 2025. KI setzen demnach 4 Prozent der Betriebe ein, weitere 9 Prozent planen es.
Die Deutsche Handwerks Zeitung (28.08.2025) berichtet über dieselbe Bitkom-Studie und schreibt, im Handwerk testeten oder nutzten nur 13 Prozent KI-Technologien; für 84 Prozent spiele das Thema derzeit keine Rolle. Eine eigene Erhebung der Zeitung gibt es dazu nach unserer Durchsicht nicht. Unsere Einordnung: 4 Prozent plus 9 Prozent ergeben 13 Prozent, die Zeitung fasst also vermutlich „im Einsatz“ und „in Planung“ zusammen und nennt es „testen oder einsetzen“. Das ist unsere Rechnung, keine Angabe der Quelle. Wer Betriebe meint, die KI heute tatsächlich nutzen, nimmt die 4 Prozent.
Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt nennt für 2025 einen Anteil von 26 Prozent KI-nutzender Unternehmen insgesamt, bei Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten 23 Prozent (Destatis, Erhebung zur IKT-Nutzung 2025). Der Wert ist nicht mit den Handwerkszahlen gleichzusetzen: Es ist eine andere Grundgesamtheit (alle Branchen, ab 10 Beschäftigten), eine andere Befragung und ein anderer KI-Begriff. Beide Quellen stammen zudem aus 2025, Neueres haben wir für das Handwerk nicht gefunden.
Wie groß ist der Fachkräftemangel im Handwerk?
Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft gab es im Jahresdurchschnitt 2025 knapp 210.000 offene Stellen in Handwerksberufen, dem standen etwa 140.000 Arbeitslose mit passendem Berufswunsch gegenüber (KOFA Kompakt 7/2026, Stand Juni 2026). Berücksichtigt man, dass ein Dachdecker keine Stelle als Augenoptiker besetzen kann, blieben knapp 100.000 Stellen rechnerisch unbesetzbar. In 59 von 115 Handwerksberufen bestand ein Engpass.
Grenzen: Die offenen Stellen sind keine Zählung, sondern eine Hochrechnung der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen mit Meldequoten zwischen 30 und 60 Prozent. Die Bundesagentur selbst weist für 2025 157 Engpassberufe über alle Branchen aus, sechs weniger als im Vorjahr, und nennt ausdrücklich auch Bau- und Handwerksberufe (BA-Presseinformation Nr. 32 vom 02.09.2026). Eine Entwarnung ist das nicht: Die Lücke im Handwerk sank 2025 laut KOFA nur um 9,5 Prozent, in der Gesamtwirtschaft um 24,1 Prozent.
Wie viel Zeit verbringt der Chef im Handwerk mit Bürokratie?
Eine bundesweit belastbare Stundenzahl für Inhaber haben wir nicht gefunden. Es gibt regionale Umfragen. Die Handwerkskammer Dortmund ermittelte im Frühjahr 2020 bei 809 Betrieben durchschnittlich 12 Stunden und 48 Minuten pro Woche für Bürokratieanforderungen und Dokumentationspflichten, bei im Schnitt 15,2 Mitarbeitern. Darin sind Inhaber und Mitarbeiter zusammen enthalten; es ist also nicht die Büro-Wochenzeit des Chefs allein. In einer Folgeumfrage bei rund 700 Betrieben gab jeder zweite Betrieb an, mehr als fünf Stunden zusätzlich pro Woche für Bürokratie aufzuwenden (Handwerkskammer Dortmund, 26.10.2023).
Bundesweit fragte der ZDH im ersten Quartal 2023 nach der Entwicklung, nicht nach Stunden: Für 74 Prozent der 10.630 teilnehmenden Betriebe ist der Bürokratieaufwand in den letzten fünf Jahren gestiegen (ZDH-Sonderumfrage, gewichtet und hochgerechnet). Beide Quellen sind Selbstauskünfte und älter als drei Jahre. Sie zeigen die Richtung, keine aktuelle Messung.
Wie sieht es in Österreich und der Schweiz aus?
Für Österreich nennt die KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer für das Gewerbe und Handwerk 251.589 Unternehmen, 740.062 Beschäftigte und 143,7 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 (Konjunkturbeobachtung Juli 2026, vorläufige Werte). Die Abgrenzung unterscheidet sich von der deutschen Handwerksrolle; ein direkter Vergleich mit den ZDH-Zahlen ist nicht möglich. Für die Schweiz fanden wir keine vergleichbare, selbst geprüfte Kennzahl für das Handwerk und nennen deshalb keine.
Was folgt daraus für den Handwerksbetrieb?
Aus den Zahlen folgen drei nüchterne Punkte. Wer qualifizierte Leute kaum bekommt, kann zusätzliche Arbeit nur über bessere Abläufe auffangen. Zeit, die im Büro oder abends mit Zetteln und Nachrichten verloren geht, fehlt auf der Baustelle. Und bei der Digitalisierung ist ein Vorsprung noch möglich: Wenn nur 4 Prozent der Betriebe KI einsetzen, ist ein Einstieg heute kein Nachzügler-Thema. Welche Anwendung sich lohnt, hängt vom Betrieb ab; die Studien sagen dazu nichts Betriebsspezifisches.
Wo passt HelloBoss in diese Lage?
HelloBoss setzt an der Büro- und Dokumentationszeit an. Es liest in den angeschlossenen WhatsApp-Gruppen eines Betriebs mit und ordnet Texte, Fotos und Sprachnachrichten der jeweiligen Baustelle zu, daraus entstehen unter anderem Tagesberichte. Was das Produkt leistet und was nicht, steht unter Was ist HelloBoss; wie die Dokumentation über WhatsApp im Einzelnen aussieht, erklärt Bautagebuch per WhatsApp. Eine gemessene Zeitersparnis nennen wir hier nicht, weil wir dazu noch keine belegten Daten aus Betrieben veröffentlicht haben.
Häufige Fragen
Wie viele Handwerksbetriebe gibt es in Deutschland?
Der ZDH weist zum 31.12.2025 einen Bestand von 1.038.126 Betrieben aus (Stand Juni 2026). Darin sind auch Kleinst- und Nebenbetriebe sowie das handwerksähnliche Gewerbe enthalten.
Nutzen 4 oder 13 Prozent der Handwerksbetriebe KI?
Bitkom fand 2025, dass 4 Prozent der Handwerksbetriebe KI einsetzen und 9 Prozent es planen. Die 13 Prozent nennt die Deutsche Handwerks Zeitung in ihrem Bericht über diese Studie als Anteil derer, die KI testen oder einsetzen; sie entsprechen der Summe aus beiden Werten, das ist unsere Rechnung. Wer wissen will, wie viele KI heute tatsächlich einsetzen, nimmt die 4 Prozent.
Wie viele Stellen im Handwerk bleiben unbesetzt?
Laut KOFA waren es 2025 rechnerisch knapp 100.000 Stellen in Handwerksberufen, für die es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab. Das ist eine Hochrechnung auf Basis gemeldeter Stellen, keine Vollzählung.
Wie viele Stunden pro Woche geht ein Handwerksbetrieb für Bürokratie drauf?
Eine bundesweite Zahl haben wir nicht gefunden. Die Handwerkskammer Dortmund ermittelte 2020 im Schnitt 12 Stunden und 48 Minuten pro Woche für den ganzen Betrieb, bei einer Stichprobe von 809 Betrieben aus einem einzelnen Kammerbezirk.
Wie aktuell sind die Zahlen auf dieser Seite?
Stand ist der 06.10.2026. Die Betriebs- und Umsatzzahlen beziehen sich auf 2025, die KI-Umfrage auf Sommer 2025, die Bürokratieumfragen auf 2020 bis 2023. Jede Zahl steht mit Herausgeber, Jahr und Link im Text.
Quellen
- ZDH, Wirtschaftlicher Stellenwert des Handwerks 2025 (Stand Juni 2026) — https://www.zdh.de/daten-und-fakten/kennzahlen-des-handwerks/wirtschaftlicher-stellenwert-des-handwerks-2025/
- ZDH, Betriebe/Beschäftigte/Umsätze, Zeitverlauf — https://www.zdh.de/daten-fakten/betriebszahlen/handwerk-im-zeitverlauf/
- Bitkom, Handwerk: Azubis, Betriebe, Digitalisierung, 28.08.2025 — https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Handwerk-Azubis-Betriebe-Digitalisierung
- Deutsche Handwerks Zeitung, Große Kluft im Handwerk: Mehr Faxgeräte als KI im Einsatz, 28.08.2025 — https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/?p=367201
- Statistisches Bundesamt, Unternehmen mit Nutzung von KI nach Beschäftigtengrößenklassen, 2025 — https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Unternehmen/IKT-in-Unternehmen-IKT-Branche/Tabellen/ikti-unternehmen-kuenstliche-intelligenz.html
- KOFA/IW Köln, Fachkräftesicherung im Handwerk (KOFA Kompakt 7/2026) — https://www.kofa.de/media/Publikationen/KOFA_Kompakt/KOFA_Kompakt_07.2026_Handwerk.pdf
- Bundesagentur für Arbeit, Presseinformation Nr. 32, 02.09.2026 — https://www.arbeitsagentur.de/presse/2026-32-fachkraefte-bleiben-knapp-zuwanderung-gewinnt-weiter-an-bedeutung
- Handwerkskammer Dortmund, Sonderumfrage Bürokratieabbau Frühjahr 2020 — https://www.hwk-do.de/wp-content/uploads/2023/02/Sonderumfrage-zum-Buerokratieabbau-Fruehjahr-2020.pdf
- Handwerkskammer Dortmund, Presseinformation 57/2023, 26.10.2023 — https://www.hwk-do.de/wp-content/uploads/2023/10/HWK-Pressedienst-57-Konjunktur-Sonderumfrage_Buerokratiebelastungen-im-Handwerk.pdf
- ZDH, Sonderumfrage Bürokratiebelastung im Handwerk (Q1 2023) — https://www.zdh.de/ueber-uns/fachbereich-wirtschaft-energie-umwelt/sonderumfragen/sonderumfrage-buerokratiebelastung-im-handwerk/
- KMU Forschung Austria/WKO, Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk 2. Quartal 2026 — https://www.wko.at/oe/gewerbe-handwerk/konjunkturbericht-gewerbe-handwerk-02-2026.pdf
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